Leider ist es immer noch so, dass von vielen Hundemenschen und auch Hundetrainern das positive Hundetraining als „Wattebauschwerfen“ abgestempelt wird. Aber dem ist keinesfalls so. Positives Hundetraining heißt, dass man für ein gutes Verhalten eine Belohnung gibt. Man erzeugt somit positive Emotionen, die für ein friedliches und ausgeglichenes Zusammenleben zwischen Hund und Mensch notwendig sind. Wer sich mit der Lerntheorie auseinandergesetzt hat - und das sollte jeder, der meint Hunde und Menschen anleiten zu können - weiß, dass es 4 Quadranten gibt, die man beim Hundetraining bedienen kann.
Sieht man sich diese 4 Quadranten einmal genauer an, dann sieht man sehr schnell, dass ein Training, dass ausschließlich auf positive Verstärkung aufgebaut ist, sehr unrealistisch ist. Selbst wenn man positiv trainiert, kommen wir immer wieder unbewusst und unabsichtlich in den Bereich der „negativen Strafe“. Das heißt, dass ich vielleicht während des Trainings eine vom
Hund korrekt ausgeführte Übung übersehe und somit meinem Hund seine Belohnung vorenthalte.
Ja, sowas kann passieren. Ist aber für den Hund weniger schlimm, wenn er trotzdem die restliche Zeit mit positiver Verstärkung begleitet wird. Er kann somit - aufgrund seiner erworbenen Resilienz - diese menschlichen Fehler eher verzeihen und darüber stehen. Trotzdem sollte man sich nach jedem Training selbst reflektieren, welche Situationen freundlicher und aufmerksamer dem Hund gegenüber gestaltet werden könnten.
Anders sieht es aus, wenn ich mit meinem Hund mit viel Frust, Schmerz und Angst trainiere. Sprich, wenn ich hauptsächlich mit „positiver Strafe“ und „negativer Verstärkung“ arbeite. So kreiere ich mir einen Hund, der ständig negative Emotionen spüren muss und diese zwar eine Zeit lang verstecken kann, aber über kurz oder lang es nicht mehr schafft, angepasst und unterdrückt seinem Menschen zu „dienen“. Das Ergebnis sind dann Hunde, die aggressiv werden, krank werden und oder Verhaltensstörungen entwickeln.
Hundemenschen, die dann meinen, Hunde mit weiteren Schmerzen, Frust und Angst „resozialisieren“ zu müssen, haben meiner Meinung nach, die wissenschaftliche Lerntheorie und die Verhaltenspsychologie von Hunden nicht verstanden bzw. es fehlt ihnen an Empathie und Erfahrungen am Arbeiten mit positiver Verstärkung. Sich auf ein Arbeiten mit positiver Verstärkung einzulassen, zeugt von Professionalität und fachkundigem Wissen. Alles andere ist nur das rohe Ausüben von Macht und Unterdrückung.
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